Ausgangssituation
Fissler ist ein international agierender Premium-Hersteller von Kochgeschirr mit über 175 Jahren Firmengeschichte. Das bestehende E-Commerce-System lief auf Adobe Commerce (ehemals Magento) — eine Plattform, die zwar leistungsfähig ist, aber mit erheblichen Kosten für Hosting, Wartung und Weiterentwicklung einhergeht.
Die Entscheidung fiel: Migration auf Shopify. Vier Märkte mussten abgebildet werden — Global, DACH, USA und Japan. Jeder Markt mit eigenen Anforderungen an Sprache, Währung, Produktsortiment und regulatorische Compliance.
Mein Einstieg ins Projekt war ursprünglich für eine überschaubare Aufgabe vorgesehen: die technische Abnahme einer ERP-Integration. Die Zusammenarbeit funktionierte so gut, dass daraus eine über 12-monatige Rolle als alleiniger Shopify-Entwickler wurde — de facto Head of Shopify Development.
Die Herausforderung
Feature-Analyse und Migrationsstrategie
Der erste und wichtigste Schritt war keine Zeile Code, sondern eine systematische Analyse: Welche Features des Adobe Commerce Systems werden tatsächlich genutzt? Welche davon kann Shopify nativ abbilden? Wo brauchen wir Apps aus dem Ökosystem? Und welche Features müssen custom entwickelt werden?
Diese Analyse ist bei jeder Enterprise-Migration der kritischste Punkt. Viele Unternehmen machen den Fehler, ihre alte Plattform 1:1 nachbauen zu wollen — und verschenken damit das Potenzial der neuen Plattform. Der bessere Ansatz: Features an den Möglichkeiten von Shopify ausrichten und nur dort custom entwickeln, wo es einen echten Business-Grund gibt.
Vier Märkte, ein Ökosystem
Fisslers Multi-Market-Setup ist alles andere als Standard. Es gibt vier distinkte Märkte mit unterschiedlichen Anforderungen:
Der globale Markt dient als Schaufenster — ein Markenerlebnis ohne E-Commerce-Funktionalität. Keine Preise, keine Warenkörbe, kein Checkout. Aber dasselbe Produktsortiment, dieselben Inhalte, dasselbe Design. Technisch bedeutet das: Ein Markt innerhalb des Haupt-Shops, bei dem sämtliche Commerce-Elemente gezielt ausgeblendet werden, ohne die Codebasis zu forken.
Der DACH-Markt ist der Hauptmarkt mit vollem Funktionsumfang — Produktverkauf, lokalisierte Inhalte, deutsche Zahlungsmethoden und vollständige DSGVO-Compliance.
Der US-Markt erfordert eigene Steuerlogik, andere Zahlungsanbieter und angepasste Versandoptionen.
Der japanische Markt bringt zusätzliche Lokalisierungs-Anforderungen mit — nicht nur sprachlich, sondern auch in Bezug auf kulturelle Erwartungen an das Shopping-Erlebnis.
Code-Synchronisation zwischen Shops
Die vielleicht größte technische Herausforderung: Wie hält man den Code mehrerer Shopify-Shops synchron? Shopify ist von seiner Architektur her auf einzelne Shops ausgelegt. Wenn aber vier Märkte dasselbe Design, dieselben Features und dieselben Qualitätsstandards haben sollen, braucht man eine Lösung für Code-Synchronisation.
Ich habe dafür eine eigene Multi-Repository-Architektur entwickelt. Ein Haupt-Repository dient als Single Source of Truth, von dem aus Änderungen kontrolliert in die marktspezifischen Repositories fließen. Marktspezifische Anpassungen werden isoliert gehalten, ohne die gemeinsame Codebasis zu fragmentieren.
Die Details dieser Architektur bleiben vertraulich — sie ist einer der Gründe, warum die Zusammenarbeit mit Fissler so reibungslos funktioniert. Aber das Prinzip ist klar: Änderungen einmal machen, überall deployen, marktspezifische Unterschiede sauber kapseln.
DSGVO als technische Herausforderung
Ein Aspekt, der bei Shopify-Migrationen oft unterschätzt wird: Datenschutz. Viele Unternehmen gehen davon aus, dass eine Auftragsverarbeitungsvereinbarung (AVV) mit Shopify ausreicht, um DSGVO-konform zu sein. Das ist ein gefährlicher Irrtum.
Jede App, die im Shopify-Ökosystem installiert wird, verarbeitet potenziell personenbezogene Daten. Und für jede dieser Apps braucht man eine separate AVV. Bei einem typischen Shopify-Setup mit 15-20 installierten Apps bedeutet das: 15-20 separate Prüfungen, ob der App-Anbieter DSGVO-konform arbeitet, ob eine AVV vorliegt und ob die Datenverarbeitung den Anforderungen entspricht.
Bei Fissler gehen wir diesen Prozess systematisch durch. Für jede App wird geprüft:
- Wo werden Daten gespeichert?
- Gibt es eine AVV?
- Werden Daten in Drittländer übertragen?
- Können wir die App durch eine DSGVO-konforme Alternative oder eine Eigenentwicklung ersetzen?
Das ist aufwändig, aber für ein Unternehmen der Größe und Sichtbarkeit von Fissler unverzichtbar. Und es ist ein Thema, das in der Shopify-Community noch viel zu wenig Beachtung findet.
Ergebnis
Was als ERP-Abnahme begann, wurde zu einer umfassenden Partnerschaft. Fissler hat heute ein modernes, skalierbares E-Commerce-System auf Shopify, das vier internationale Märkte bedient — mit einer Architektur, die Wachstum in weitere Märkte ermöglicht, ohne die technische Komplexität exponentiell zu steigern.
Die Rolle als alleiniger Shopify-Entwickler über 12+ Monate hat mir erlaubt, nicht nur Features zu implementieren, sondern die gesamte technische Strategie mitzugestalten. Von der App-Auswahl über die Deployment-Architektur bis zur DSGVO-Compliance — alles aus einer Hand.
Die Zusammenarbeit läuft weiterhin. Neue Features werden kontinuierlich entwickelt, die DSGVO-Strategie wird laufend verfeinert, und die Multi-Market-Architektur wächst mit den Anforderungen des Unternehmens.

















